kult-newsletter-telefonzelleFrüher telefonierte man außerhalb der eigenen Wohnung meistens in der sogenannten Telefonzelle, die wegen der Verbreitung des Mobiltelefons immer mehr wie ein Relikt aus dem 20. Jahrhundert wirkt. Mittlerweile gibt es viele junge Menschen, die noch nie eines der mit einem Telefonapparat ausgestatteten Häuschen betreten haben und auch in Zukunft ausschließlich auf ihre Smartphones zurückgreifen werden. Weil Handys bis zur Jahrtausendwende als Luxus galten, waren die Telefonzellen für die Gesellschaft jedoch sehr lange unverzichtbar. Wer auf öffentlichen Plätzen ein Gespräch führen wollte, benötigte dafür entweder genügend Kleingeld oder die inzwischen vor allem als Sammelobjekt begehrte Telefonkarte.

Verbreitung und Verschwinden der Telefonzelle

In Deutschland wurden die ersten Telefonzellen bereits zum Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Der älteste sogenannte Fernsprechkiosk ging im Januar 1881 in der Hauptstadt Berlin in Betrieb. Damals benötigte man die sogenannten Telefon-Billets, die auch als Fernsprechscheine bekannt waren, um mit diesen Anlagen Gespräche führen zu dürfen. Kurz vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts kam es schließlich zur Einführung der ersten Telefonzellen, von denen Münzen angenommen wurden. In den kommenden Jahrzehnten war in den Häuschen kein langes Telefongespräch möglich, wenn man nicht sehr viel Kleingeld zur Verfügung hatte. Vor allem bei Ferngesprächen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Gebühren verlangt, die heute absurd erscheinen. Um eine Alternative zur Notwendigkeit eines Geldbeutels mit einem großen Fach für Münzen anzubieten, kam es ab 1983 zur Einführung der ersten Telefonkarten.

Diese Karten boten den Vorteil, ohne Bargeld mit einem größeren Guthaben zu telefonieren. Während die Münztelefone auch nach einem kurzen Telefongespräch große Geldstücke vollständig schluckten, wurden über die Telefonkarte lediglich die tatsächlich fälligen Gesprächskosten abgerechnet. Zudem waren die Gebühren mit den Telefonzellen für Karten oft grundsätzlich billiger. Weil die Telefonkarte sich nach der Wiedervereinigung Deutschlands rasant verbreitete, fand man an manchen Plätzen neben den Kartentelefonen gar keine Telefonzelle, die Münzen annahm.

Zum Beginn des 21. Jahrhunderts gab es aber bereits viele Häuschen, die beide Zahlungsarten akzeptierten. Als der Siegeszug der Mobiltelefone begann, nutzten immer weniger Menschen Telefonzellen. Auch die hohen Wartungskosten führten daher zum Abbau von unzähligen Telefonhäuschen.

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