1985 war ein prägendes Jahr in Deutschland. Joschka Fischer wird als Mitglied der Partei „Die Grünen“ in den hessischen Landtag gewählt. Dort übernimmt er das Amt des Staatsministers für Umwelt und Energie. Schön und gut, aber was ist daran Kult? Bei seiner Vereidigung trägt der spätere Vizekanzler der Bundesrepublik Turnschuhe. Das war ein Novum im Landtag und ein stiller, aber offener Protest gegen die gesellschaftlichen Regeln. Aufsehenerregend!

Der Turnschuh wird salonfähig

Das oben genannte Beispiel ist nur eines von vielen weltweit, hat aber bei uns in Deutschland Geschichte geschrieben. Ein Politiker hatte sich zum damaligen Zeitpunkt adrett zu kleiden mit Anzug, Krawatte und feinen Schuhen. Das Auftreten von Fischer zu seiner Vereidigung war ein großer Schluckauf und sorgte entsprechend für Empörung, aber gleichzeitig für einen Ruck in der Gesellschaft.

Seit dem ist der Turnschuh in allen seinen Facetten auf dem Vormarsch und hat die breite Masse der Gesellschaft erreicht. Heute sind diese aus dem Bild der Menschen gar nicht mehr weg zu denken. Ganz im Gegenteil, sie sind sogar ein modisches Accessoire geworden. Jeder Schuhmarke unterhält eine eigene Modelinie mit Sportschuhen und vollkommen neue Marken sind auf dem Markt aufgetaucht.

Die Revolution der Gesellschaft

Ob das Auftreten von Fischer damals die Ursache des Umdenkens war, vermag niemand zu bewerten. Definitiv hat dies aber dazu beigetragen die Werte der Gesellschaft durcheinander zu wirbeln und zu hinterfragen. Muss ein Politiker wirklich immer im Anzug auftreten? Macht es ihn weniger wert oder weniger wissend, wenn er nicht so auftritt?

Hier wiederrum ist Joschka Fischer der lebende Beweis, dass dies nicht so ist. Nach seinem 2jährigen Aufenthalt im hessischen Landtag übernahm er den Landesvorsitz der Grünen und war später in einer rot-grünen Regierung Außenminister unter Kanzler Schröder, sowie dessen Vertretung. Auch wenn Fischer während dieser Zeit zumindest optisch nicht mehr so auf sich aufmerksam gemacht hat, so hat er jedoch immer seinen eigenen Kopf behalten und seine Meinung geäußert.

Der Turnschuh-Hype macht die Schuhe zum Kult

Und so entwickelte sich aus der politischen Gesellschaft heraus ein ganz eigener Trend hin zu einer Modernisierung. Politiker durften so auftreten, auch wenn es die wenigsten machen. Dennoch hat sich der Kleidungsstil maßgeblich gelockert. Denkt man an die Werbekampagnen der letzten Wahlen zurück, so erinnert man sich an einen Guido Westerwelle in legerer Kleidung (und Schuhen), ebenso wie eine Sarah Wagenknecht in einer ähnlichen Rolle.

Aus dem gesellschaftlichen Bild ist der Turnschuh heute nicht mehr wegzudenken. Stars, Sternchen, Politiker und vor allem die breite Masse der Bevölkerung kleiden Ihre Füße in Turnschuhe verschiedener Hersteller in den unterschiedlichsten Farben, Formen und Gestaltungen. Und so gelang es einem kleinen Turnschuh zu Kult der Gesellschaft aufzusteigen. Übrigens haben es die damaligen Turnschuhe von Joschka Fischer bis ins Museum geschafft. Sie sind im Berliner Ledermuseum ausgestellt und können dort besucht und betrachtet werden.