Verkorkste Mode, verpatzter Titel: Warum mein Herz für Werder schlägt

Lange Mähnen, kurze Höschen: Der Mode des schlechten Geschmacks waren im Fußball der 80er-Jahre kaum Grenzen gesetzt. In einer Zeit, in der die Sportschau auf der ARD noch ohne Werbeunterbrechungen verlässlich über die Röhrenfernseher flimmerte, stand ich als hilfloser Knirps vor einer wegweisenden Entscheidung: Ich brauchte eine Lieblingsmannschaft in der Bundesliga. Ein Team, das im Klebealbum von Panini nach Möglichkeit als erstes komplettiert werden konnte. Eine Elf, auf die ich herauf schauen durfte. Ein Idol, dem ich in der Pausen auf dem Schulhof nacheifern wollte. Ich musste also eine Wahl treffen.

Eigentlich war mein Weg als Bayern-Fan vorgezeichnet. An jenem heißen Sommertag, als ich schreiend das Licht der Welt erblickte, schickte sich der Rekordchampion aus München gerade an, seine Visitenkarte mit dem zweiten von drei aufeinanderfolgenden Pokalen im Cup der Landesmeister zu erweitern. 2:0 siegten die Süddeutschen gegen Leeds United. Helden gab es gratis dazu. Ich hatte die freie Auswahl: Franz Beckenbauer, Gerd Müller oder Uli Hoeneß. Aber ausgerechnet Letztgenannter hatte großen Anteil daran, dass meine Entscheidung am Ende ganz anders ausfiel.

Schuld daran trug auch der wohl meistzitierte wie verschossene Strafstoß in der Geschichte Bundesliga. Denn am vorletzten Spieltag der Saison 1985/86 winkte Werder Bremen mit einem Sieg gegen den Erzrivalen aus München die zweite Meisterschaft. Ein Pfiff, wütenden Proteste der Bayern: Eine Minute vor dem Abpfiff gab es Elfmeter. Michael Kutzop, kurioserweise der sicherste Schütze vom Elfmeterpunkt, lief an – und das Leder klatschte an den Pfosten. Als kleiner Junge bestaunte ich das Drama vorm Fernseher. Ich dachte mir: Nun ja, noch ist nichts verloren. Ein Spieltag blieb Zeit, ein Unentschieden würde reichen. Soviel hatte ich von der Fußball-Mathematik bereits gelernt.

Doch beim VfB Stuttgart ließ es Karl Allgöwer zwei Mal für die Schwaben krachen. Jetzt wusste ich auch, warum er den Spitznamen „Knallgöwer“ trug. Vor allem aber, was das 1:2 für Werder bedeutete: Die Bayern waren Meister. Ihr höhnische Gelächter mit Jung-Manager Hoeneß in vorderster Front war mir zuwider. Auch, wenn Bremer Frisuren und Trikothosen harnäckig den Trend der 80er folgten: Mein Fußballherz schlägt seitdem grün-weiß.

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